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Barsoi (Russkaya Psowaya Borzaya)
Autor(in): Hera
vom 16. November 2007

Natürlich war der Barsoi nicht einfach schwupps der Steppe entsprungen, doch seine Ursprünge liegen zum größten Teil im Dunkeln. Vermutlich geht er auf den Kurland-Windhund zurück, der mit englischen und tatarischen Windhunden gekreuzt wurde.

Erste bildliche Darstellungen aus dem 11. Jahrhundert findet man in der Sophien Kathedrale in Kiew, aber es ist nicht geklärt, ob es sich bei diesen Hetzhunden schon um den neuen Barsoi gehandelt hat. Erst um 1650 wurde er in seiner Erscheinungsform so beschrieben, wie wir ihn heute kennen.

Der Barsoi wurde für die Jagd auf Hasen, Antilopen, Füchse und Wölfe gezüchtet. Ein Team, Swora (= Meute) genannt, bestand aus zwei Hunden. Eine Koppel bestand aus einer Hündin und zwei Rüden. Während die Hündin den Wolf hetzte, stellten ihn die Rüden und hielten ihn fest, bis der Jäger heran war. Hunde, die einen Wolf eigenständig erlegen konnten, wurden Wolkodav genannt und galten als unbezahlbar.

Die letzten großen Zwinger waren die des Zaren in Gatschina und die des Großfürsten Nikolai Nikolaijewitsch in Perchino. Die Zwingeranlagen waren sehr praktisch und komfortabel, zum Teil sogar luxuriös eingerichtet, aber man verlangte von den Hunden auch Gesundheit und Härte.

Seine Blütezeit hatte der Aristokrat unter den Windhunden zur Zeit der Leibeigenschaft in Rußland. Mit der Abschaffung dieser 1861 erlebte die Rasse ihren ersten Einbruch, der 80-90 % der Zucht betraf. Es fehlten einfach die billigen Arbeitskräfte, um die zum Teil riesigen Zwinger zu unterhalten.

Um 1900 stand der Barsoi (Perchinotyp) als Sinnbild des Windhundes mit langem Wellhaar schlechthin. Groß, wohlproportioniert, langhaarig und ausgeglichen- eine edle Erscheinung von Nase bis Rutenspitze. Der für die Feldjagd eingesetzte Gustopsowaya Barsoi verkörperte diesen Typ. Der für die Jagd in den Weiten der russischen Steppe mit kürzerem, dichteren Fell, wurde Tschistopsowaya genannt und findet sich in den Vorfahren des Tazi, Kurgan und Chort wieder.

Mit der Oktoberrevolution 1917 wurden die Hunde fast ausgerottet, weil man sie zusammen mit ihren verhaßten Adelsherren einfach hinrichtete. Zum Glück hatten sich im Ausland bereits viele Liebhaber gefunden, die dazu beitrugen, diese Rasse zu erhalten. Den Hauptbeitrag leisteten hierbei England, Deutschland, Belgien, die Niederlande und die USA.

Barsois bestechen durch ihr langes, feines Wellhaar, die Ausgeglichenheit ihrer Proportionen, durch die Eleganz und die Harmonie ihrer Konturen und Bewegungen, was ihrer Gesamterscheinung eine Einmaligkeit unter den Hunderassen verleiht. Rüden beeindrucken durch ihre Größe von über 80 cm Schulterhöhe. Hündinnen sind deutlich kleiner. Das reiche, seidige Haarkleid und die Schönheit und Vielfalt der Farben tun ihr Übriges. Erlaubte Farben sind: verschiedenen Schattierungen von rein weiß, mit roten, grauen, schwarzen oder gewolkten Platten bis zu einfarbig gemantelt. Aber der Barsoi ist eine Schecke. Die Scheckung, die bei jedem Hund weiß ist, verläuft zentripetal und beginnt an Pfoten und Rutenspitze.

Der Kopf erscheint sehr schmal und lang, ohne Stop (Stirnabsatz) und sitzt auf einem langen, kräftigen Hals. Die Ohren sind klein, fein und werden in Ruhe nach hinten auf den Hals gelegt getragen. Bei Erregung können sie aber auch wie Pferdeohren aufgestellt werden. Dem Körper sieht man die „Windschnittigkeit" an, er ist im Verhältnis zur Größe des Hundes schmal, der Rücken bogenförmig, mit sehr tiefer Brust und aufgezogenem Bauch. Die Gliedmaßen sind lang, gut gewinkelt und mit flacher Bemuskelung. Im Ganzen also eine leptosome Erscheinung.
Barsois sind keine reinen Zwingerhunde, sie brauchen Familienanschluß. Vom Wesen her sind sie im Haus ruhig und unauffällig, während sie dagegen im Feld eine gehörige Portion Jagdtrieb entwickeln können. Barsois sind weder Sprinter noch Langstreckler, sie halten die goldene Mitte. Wer die Möglichkeit hat, sollte mit seinem Hund zum Coursing gehen. Hier wird man sicher vom Deutschen Windhundzucht- und Rennverband ( www.dwzrv.com) gut beraten. Mit Geduld und Einfühlungsvermögen läßt er sich gut erziehen, aber wer einen Hund sucht, mit dem er Unterordnung exerzieren will, ist mit einem Barsoi falsch beraten. Er ist auch kein Hund zum weitergeben. Die Entscheidung für diese Rasse sollte schon ein Hundeleben andauern.

FCI-Standard N° 193 / 13. 03. 2007 / D

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